„Soldaten beraten Soldaten“ – Erfahrungen aus der Praxis

Wer steckt hinter „Soldaten –beraten-Soldaten“

Die Versicherungsberatung eines Soldaten erfordert ein hohes Maß an Spezialkenntnissen, denn gerade die soziale Absicherung dieses Personenkreises ist im Vergleich zu zivil Beschäftigten sehr speziell.

Neue Soldaten haben somit häufig das Problem, dass sie im Internet oder beim Versicherungsberater aus dem Bekanntenkreis nicht den gewünschten und nötigen Sachverstand für ihre individuelle, versicherungsrechtliche Ausgangslage vorfinden.

Der Gedanke, sich hier die nötigen Informationen aus dem Kreis der Kameraden zu holen, liegt da natürlich nahe. Denn unter „Kameraden“ hilft man sich natürlich. Mehr noch als dies in den zivilen Berufen der Fall ist, zumindest mutmaßlich. So führt ein Firmenname mit dem Untertitel „Soldaten beraten Soldaten“ mindestens unterbewusst zu einem gewissen Vertrauensvorschuss. Wenn dann noch eine „Empfehlung“ eines Offiziers, also einem im Rang höher gestellten Soldaten, hinzukommt, liegt es nahe, sich als junger Soldat auf den Rat des Versicherungsberaters der Firma dieses Namen zu verlassen.

Hinter der Firma „Soldaten-beraten-Soldaten“ steckt eine Firma mit Namen Pingus GmbH, die als Versicherungsmakler registriert ist. Die Firmengründer sind in der Tat ehemalige Bundeswehrsoldaten.

Das Geschäftsprinzip

Die Pingus GmbH arbeitet mit einer größeren Anzahl von nebenberuflich tätigen „Tippgebern“, die im Hauptberuf der Bundeswehr angehören. Diese Tippgeber werben insbesondere neue Zeitsoldaten direkt in den Standorten der Bundeswehr für den Besuch einer Informationsveranstaltung außerhalb der Kasernen. Meistens werden für diese Veranstaltungen Räumlichkeiten in einem der Kaserne nahe gelegenen Hotel angemietet, wo dann Werbeveranstaltungen in kleineren Gruppen durchgeführt werden.

Die Tippgeber/Mitarbeiter in den Kasernen sind nicht selten Soldaten im Offiziersrang, wie zum Beispiel dem eines Oberleutnants.

Soldaten untereinander müssen sich im Ernstfall, also z.B. im Einsatz, unbedingt aufeinander verlassen können. Man spricht untereinander deshalb auch nicht von „Kollegen“ sondern von „Kameraden“. Dieses kameradschaftliche Verhältnis der Soldaten untereinander bildet den Kern des Geschäftsprinzips der Firma Pingus. Das mindestens latent immer vorhandene Prinzip von Befehl und Gehorsam, spielt eine weitere Rolle.

Am Ende ist die Pingus GmbH natürlich keine soziale Einrichtung, sondern eine auf Gewinnmaximierung ausgerichtete Vertriebsgesellschaft. Man lebt davon, Versicherungen zu verkaufen, also von den daraus fließenden Provisionen. Und da der Unterbau aus vielen Tippgebern natürlich auch finanziert werden muss, werden besonders die aus Vermittlersicht margenstarken Produkte bevorzugt platziert.

Ist eine Zusammenarbeit mit „Soldaten-beraten-Soldaten“ zu empfehlen ?

Diese Frage muss am Ende natürlich jeder Soldat für sich selbst beurteilen. Wie auch im zivilen Leben, entscheidet hier nicht selten „der Nasenfaktor“, bzw. das Bauchgefühl oder die persönliche Sympathie zum Berater.

Eine mindestens ausreichende Fachkompetenz darf den Verkäufern (nicht den Tippgebern!) dieser Organisation sicher nicht abgesprochen werden. Man ist im Thema und hat ausreichend viel Erfahrung. Angestrebt wird seitens Pingus immer eine „Komplettversorgung“ bei jedem Kunden, inkl. dem Platzieren von hoch provisionsbelasteten Altersvorsorgeprodukten. Ob dies dann besonders bei jungen Zeitsoldaten mit nur kurzer Verpflichtungszeit immer empfehlenswert ist, darf zumindest in Frage gestellt werden.

Fazit

Schon der gewählte Name „Soldaten-beraten-Soldaten“ wirft erste Fragen auf.

  • Ist der Soldat wirklich als Fachberater für individuelle Versorgungsfragen geeignet ?
  • Und steht wirklich nur die Kameradschaft hinter dem Beratungsangebot unter Kameraden, oder ist es doch nur schlicht die ausgelobte Kopfprämie pro empfohlenem Kameraden ?

Empfehlenswerter scheinen hier doch eher die Ratschläge des Deutschen Bundeswehrverbandes oder des Bundeswehrsozialdienstes, wenn es um Versicherungsfragen geht. Hier darf eine höhere Neutralität vermutet werden. Auch ein Blick in einschlägige Onlineforen für Soldaten ist oft hilfreich. Hier ein Beispiel aus 2016:  http://www.bundeswehrforum.de/forum/index.php?topic=56009.0

Entscheiden muss der Soldat am Ende immer selbst, wem er sein Vertrauen schenkt.